It’s Fun to Stay at the C*T*I*A

Nach der CES im Januar ist Las Vegas dieses Jahr ein weiteres Mal zum Brennpunkt der Computer- und Telekommunikationsindustrie geworden. Vom 1. bis einschließlich 3. April veranstaltete der internationale Wirtschaftsverband für Mobiltelefonie CTIA (ursprünglich für »Cellular Telephone Industries Association«) die CTIA Wireless – eine der größten und wichtigsten internationalen Fachmessen und Fachkongresse des Industriezweigs.

Den Medienberichten zufolge war auf der diesjährigen CTIA Wireless mit ihren rund 1.000 Ausstellern anders als auf der CeBIT letzten Monat in Hannover von Krisenstimmung kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil: In ihren Keynotes überschlugen sich die teilnehmenden Industrieführer wie Verizon-Vorstand Ivan Seidenberg oder T-Mobile-Vorstand Robert Dotson förmlich mit euphorischen Superlativen und enthusiastischen Zukunftsprognosen. Häufig zitierte Zahlen waren hierbei die gegenwärtigen 270 Millionen US-amerikanischer Nutzer von Mobilfunkgeräten (87% der Bevölkerung) sowie die Verdreifachung der Anzahl versendeter SMS und MMS in den USA gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 3,5 Milliarden… pro Tag. Seidenberg und Kollegen gingen sogar so weit, dem Wireless-Business nicht bloß eine bemerkenswerte Resistenz gegenüber der aktuellen Weltwirtschaftskrise zu attestieren, sondern überdies die Fähigkeit, sie wieder zu beenden!

Das Mobilfunkgerät rückt immer weiter in den Lebensmittelpunkt der Menschen, ist längst nicht mehr bloß ein praktisches Accessoire. Folgerichtig überhole  das Mobile Marketing zusehends das Online-Marketing per Internet. Daher suchten sich die Veranstalter passend das Motto »Mobile Life« für die diesjährige CTIA Wireless aus.

Konkret drehte sich auf der Messe fast alles um Apps, Apps und nochmals Apps. Insbesondere durch die integrierten Softwaredownload-Portale wie dem AppStore von Apple oder dem Android Market ist in den zurückliegenden zwölf Monaten eine wahre Sintflut an Mobilsoftware-Innovationen hervorgerufen worden. Dem möchten sich nun auch Blackberry-Macher RIM anschließen und präsentierten unter dem Namen App World das offizielle AppStore-Äquivalent für Blackberries. Ein weiteres Messe-Highlight war das lang ersehnte Skype für iPhones. In den USA soll der entsprechende Service im Mai in Betrieb gehen. (Allerdings ist weiterhin fraglich, in wie weit die Mobilfunk-Anbieter da mitziehen werden. So wollen T-Mobile in Deutschland Skype auf den von ihnen vertriebenen iPhones blockieren. Wenn’s um’s Geld geht, ist ja schon manch ein Fortschritt ins Hintertreffen geraten.)

»Mobile Life« – das heißt immer öfter auch »Mobile Health«. Das Handy als Gesundheitsassistent und -monitor sowohl für Patienten wie auch für Ärzte bildete einen weiteren thematischen Schwerpunkt der Messe. Podiumsteilnehmer Dr. Eric Topol stellte etwa eine Applikation der Firma Corventis vor, die aus dem iPhone mittels eines kleinen, Bluetooth-fähigen Zubehörs namens PiiX (»pieks«?? o,o”) einen voll funktionalen Elektrokardiografen macht. Mit solchen und anderen Formen des Remote Monitoring sollen sich in den USA jährlich bis zu 10 Milliarden Dollar an Gesundheitsfürsorgekosten einsparen lassen. Mobile Healthcare soll insbesondere auch älteren Menschen zu mehr Sicherheit und Eigenständigkeit im Alltag verhelfen.


CTIA Wireless ‘09: Al Gore zieht Parallelen zwischen der Mobilisierung der Digitaltechnologie und Luthers Reformationsbewegung (einfach den Wiedergabe-Button anklicken)

Ein großes Finale erhielt die Messe an ihrem letzten Tag in Form der Rede des Ex-US-Vizepräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Al Gore. Er zeigte sich begeistert von der zunehmenden Mobilität und Komplexität der Digitaltechnologie, und erklärte diese wegen ihrer produktivitätsteigernden Effekte schließlich sogar zu einem der Schlüsselelemente im Kampf gegen den Klimawandel. Einem alten afrikanischen Sprichwort zufolge, solle derjenige alleine ziehen, der schnell vorankommen will. Hingegen gemeinsam mit anderen solle derjenige ziehen, der weit kommen will. Die Menschen von heute, so Gore, müssten jedoch schnell weit kommen, brauchten also sowohl Unabhängigkeit als auch gegenseitige Unterstützung. Dies werde heute durch die mobile Kommunikationstechnologie ermöglicht.

Man mag die überschwängliche Zuversicht des CTIA-Podiums teilen oder nicht. Vielleicht wurde hier und da etwas dick aufgetragen. Doch, sich einmal ein wenig vom symbolischen Optimismus Made in USA anstecken zu lassen, das kann uns ewig skeptischen, zaudernden Deutschen vielleicht ganz gut tun. Yes, we can.

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