CeBIT ‘09 Nachlese: »Quo Navis?«
Den Medienberichten zufolge wirkte die diesjährige CeBIT in Hannover ein bisschen wie ihre eigene »Alternative«-Version: weniger bunt, weniger laut, weniger gut besucht. Allenthalben war die Rede von der »Krise als Chance«, eine Mischung aus Untergangs- und Aufbruchstimmung. Zudem warteten die Veranstalter mit dem alternativen Messekonzept der sog. »Webciety« auf – standardisierte Ausstellungswaben, die von eher virtuell denn materiell präsenten Startups günstig angemietet und online mit Inhalten bespielt werden konnten, um somit der zunehmenden Relevanz der Online-Welt Tribut zu zollen.
Im Bereich der mobilen Kommunikation bildete die fortschreitende Verschmelzung von Mobilfunk und Navigation einen Schwerpunkt, dem auf der Messe unter dem Titel »Navigation Day« eine besondere Veranstaltung gewidmet wurde. Neugierig erwartet wurden die Früchte der Zusammenarbeit zwischen dem taiwanischen Hardwarehersteller Asus und den US-amerikanischen Navi-Experten Garmin: das bereits seit einem Jahr angekündigte Navi-Handy Nüvifone G60 sowie sein neuer Kollege, das Nüvifone M20. Diese Geräte sollen den Funktionsumfang und die Leistungsfähigkeit herkömmlicher Navigationsgeräte durch die Möglichkeit zusätzlicher Datenabfrage per Mobilfunk erweitern, ähnlich, wie dies, von der entgegengesetzten Seite aus, schon seit längerem die Connected Navis (also Handy-Navis statt Navi-Handys) anstreben. So können aktuelle, ortsbasierte Daten wie Points of Interest (POI), Staumeldungen oder auch das Wetter besser und umfangreicher in die Navigation mit eingebunden werden. Unter anderem präsentierten auch O2 ein Navi-Handy (Xda Guide), ebenso Nokia (6710 Navigator).
CeBIT ‘09: FTD interviewt Garmins Produkt-Manager Olaf Meng (einfach den Wiedergabe-Button anklicken)
Das große Messe-Highlight suchte man jedoch vergebens. Der Fokus lag klar auf Hardware-Updates und -Konkurrenz. Darunter beispielsweise das TG01 von Toshiba, das dem iPhone praktisch mit einer Verdopplung von dessen Leistungsdaten kräftig einheizen soll. HTC wiederum präsentierten mit dem HTC Magic das erste Touch-Only-Handy mit Android-Betriebssystem. (Dabei war die physische Tastatur noch eines der Kaufargumente des G1 gegenüber dem iPhone.) Das iDou von Sony-Ericsson macht nicht nur mit seinem Namen eine deutliche Kampfansage an das iPhone: das Touch-Only-Smartphone bietet nicht nur einen 3,5 Zoll 16:9-Bildschirm mit eleganter Symbian-Benutzeroberfläche sondern setzt mit seinen 12,5 Megapixeln plus Xenon-Blitzlicht Maßstäbe als hochgezüchtetes Kamera-Handy.
Auch sonst gab es bemerkenswert viele Touch-Onlys zu sehen – ob sich hier ein neues Standardformat für Smartphones etabliert? Dazu setzten Nokia jedenfalls einen skurrilen Kontrapunkt: Das E75 ist geradezu übersät mit Tasten, während sein vergleichsweise kleiner Bildschirm fast schüchtern in der Ecke kauert. Zielgruppe sind hier eMail- und SMS-Vielschreiber.
Besondere Erwähnung verdienen Samsung, die mit ihrem Handy-Neuling Blue Earth ein Zeichen für umweltfreundlichere Hightech setzen. Einerseits befindet sich auf der Rückseite des aus recycelten Kunststoffflaschen gefertigten Gehäuses ein Solarmodul, welches das Handy bei günstiger Lichteinstrahlung mit dem Großteil seiner benötigten Energie versorgt. Andererseits weist das mitgelieferte Netzteil eine nicht unwesentlich höhere Energieeffizienz als herkömmliche Modelle sowie einen besonders stromsparenden Standby-Modus auf.
Ein Hardware-Trend, der wohl auch die nächsten Jahre anhalten wird, wurde auf der CeBIT 2009 bestätigt: Nicht nur werden die Smartphones immer mehr zu PCs hochgerüstet – die PCs werden immer mehr zu Smartphones miniaturisiert. Immer kompakter, immer portabler. Ich denke, dass diese beiden Entwicklungen über die nächsten fünf bis zehn Jahre immer weiter konvergieren werden, bis es zuletzt nur noch einen Typus portabler Mini-Computer gibt, der die Anwendungsbereiche der beiden Sparten in sich vereint. Ob dies dann eher ein komprimierter PC mit VoIP-Funktionalität oder ein aufgebohrtes Smartphone sein wird, wage ich nicht abzuschätzen. Jedenfalls wird der klassische Desktop-PC aus dem Enduser-Bereich verschwinden und in Bastler- und Hochleistungsnischen verdrängt werden. Schon jetzt wird er immer häufiger von Laptops und Subnotebooks ersetzt, während sie ihn früher meist bloß komplementierten. Großbildschirm und Full-Size-Tastatur werden künftig ganz ohne PC aufgestellt werden und dann bei Bedarf einfach von dem mobilen Kleingerät angesteuert werden können. Stationäre PCs werden überflüssig, denn jeder hat seinen PC bei sich – im Handy-Format. So gesehen wirken selbst die rosigsten Prognosen für die Entwicklung des Mobile-Entertainment-Segments noch untertrieben, wenn man bedenkt, dass somit letztlich praktisch das gesamte digitale »Non-Mobile«-Entertainment von heute darin aufgehen würde.














Am 10. März 2009 um 07:16 Uhr
Wow, danke für das ausführliche recap und die bestätigung dass ich mir die cebit wirklich sparen konnte
Am 17. September 2009 um 19:16 Uhr
In diesem Jahr konnte ich leider auch nicht persönlich vor Ort sein und die neuesten technischen Entwicklungen damit direkt nachvollziehen, aber wenn ich deinen und weitere Berichte so lese, ist es, als wäre ich dabei gewesen. So manches Handy hat mich in seiner Neuerscheinung fasziniert, aber dafür einen ganzen Messebesuch? Scheinbar habe auch ich, zumindest in diesem Jahr, nichts verpasst.
Viele Grüße
Hans