Mobil XT – Handy-Trends 2009
Der letzte Silvesterkater ist gerade verklungen, so wird es höchste Zeit für einen kleinen Ausblick, was uns die bunte Handy-Welt in diesem neuen Jahr bescheren wird. Da steht zunächst die lange erwartete Veröffentlichung des G1 von T-Mobile in Deutschland an – wir berichteten bereits. Es ist das erste Smartphone mit Android-Betriebssystem und verkörpert gleichzeitig den wohl wichtigsten und definitivsten Trend im Bereich mobiler Telekommunikation, wie Technik-Kolumnist und selbst ernannter »Nerd« David Pogue von der New York Times in seiner sehr unterhaltsamen Rede zur The Entertainment Gathering im Dezember unlängst bestätigte: »Mobile Internet«.
David Pogue auf der EG ’08 (einfach den Wiedergabe-Button anklicken)
Das G1 ist wie auch die 2008 erschienene neueste Version des iPhones ein 3G-Handy, also von vornherein auf schnelle Internet-Konnektivität ausgelegt. Dazu unterstützt es neben GSM, EDGE und Standard-UMTS auch HSPA (High Speed Packet Access), ein neues UMTS-Übertragungsverfahren, mit dem Download-Transferraten bis zu 14,4 MBit/s möglich sein sollen. Hinzu kommt die Option, sich über WLAN in bestehende Netzwerke einzuwählen.
Letzteres ist laut Pogue insbesondere im Zusammenhang mit (echter) »Mobile VOIP« interessant. Was in Europa schon seit ein paar Jahren erste Gehversuche macht, wurde in den USA mit Ausnahme von T-Mobile bislang von sämtlichen Handy-Anbietern boykottiert. Schließlich bedeutet VOIP mit dem Handy eine unschlagbar günstige Konkurrenz. Doch mit der zunehmenden Etablierung von »Mobile Internet« und der Annäherung an konventionelle PC-Standards soll sich dies nun ändern. Inzwischen ist auch ein nahtloser Übergang vom (WLAN-)VOIP ins konventionelle Handy-Netz und zurück während des laufenden Gesprächs möglich.
Einen weiteren Trend sieht Pogue im Ausbau von Mobile Services. GrandCentral etwa bietet Besitzern mehrerer Handys die Möglichkeit, ihre Geräte per Internet zu einem persönlichen Kommunikations-netzwerk unter einer einzigen Rufnummer zu verknüpfen und zu organisieren, inklusive individuell nach Anrufer konfigurierbarer Mobilbox-Ansagen und Erreichbarkeitszeiten. Google Cellular wiederum stellt einen mobilen Informationsdienst dar, der ganz einfach über SMS-Anfragen gesteuert werden kann und nach wenigen Sekunden kompetente Auskunft zurücksendet: z.B. das Wetter (SMS-Anfrage »weather mainz«), Fluginformationen, Lexikon-Einträge, Fahrtrouten, Umrechnungen von Währungen usw. Inzwischen funktioniert das Ganze sogar sprachgesteuert – ohne SMS. Last but not least im Bereich der High-End-Handys wären hier noch Software-Basare wie der App Store von Apple und der Android Market zu nennen, die weiter an Bedeutung gewinnen werden. Durch den Download der dort angebotenen, immer neuen Applikationen lässt sich der Funktionsumfang des jeweiligen Smartphones gehörig erweitern.
Wie jedes neuere Handy, das etwas von sich hält, ist auch das G1 mit einer Kamera ausgestattet. Aktuell liegt der Auflösungsrekord unter Kamera-Handys bei 10 Megapixeln. Hier zeichnet sich jedoch eine kleine Trendwende vom üblichen »Immer-Mehr« ab. Denn einerseits stehen außerhalb der dezidierten Profi-Fotografie Sinn und Zweckmäßigkeit von Auflösungen jenseits der 6 Megapixel zur Debatte, andererseits besteht eine große Disparität zwischen der Profi-Bildauflösung und den übrigen verbauten, billigen Kamera-Komponenten, insbesondere der Optik. Besserung steht in Aussicht, und auch den bislang eher spärlichen Video-Aufzeichnungsfähigkeiten von Kamera-Handys wird man sich nun wohl stärker widmen.
Schließlich macht der allgemeine Öko-Energiespar-Trend auch vor der Mobilfunkwelt nicht halt. Geht es nach den Visionen von Intels Entwicklungsabteilung, könnte das akkulose Handy bald schon Realität werden. Batterielose Uhren, die mit Solarenergie und/oder kinetischer Energie aus den Bewegungen ihres Trägers gespeist werden, gibt es bereits. Für Handys verfolgt Intel einen ähnlichen Ansatz. Derweil orientiert sich MIT Micro eher an der Automobilindustrie und werkelt emsig an der Brennstoffzelle fürs Handy.













