Des Kaisers neue Klingeltöne

In der Ruhe liegt die Kraft.
Wer heute über 20 ist und an das Klingeln von Mobiltelefonen denkt, dem fallen dabei wahrscheinlich vor allem die Nerven ein, die es ihn schon gekostet hat. Klingeltöne sind nervig, laut, grell, banal und teuer dazu. Selbst unter Mittelstufenschülern soll der Absatz inzwischen rückläufig sein.
Das muss nicht so sein, findet die Firma iRing Pro (»iRing« war schon vergeben) und hat den Klingelton der neuen Generation entwickelt: elegant, zurückhaltend, niveauvoll, für den Mann von Welt. Kurz: für den iPhone-Nutzer. Mit ihrer Zen Collection aus 21 Klingeltönen versucht iRing Pro das Image und die Ästhetik Apples und des iPhones akustisch einzufangen und erinnert im Ergebnis unwillkürlich an teures Markenmineralwasser und karge japanische Steingärten. Oder etwa an Kasimir Malewitschs Meilenstein der Modernen Kunst, Schwarzes Quadrat auf weißem Grund. Die künstlerische Komplexität der Jingles, die, zumindest was die Beispiele auf iRing Pros Web-Seite betrifft, aus nichts als je einem einzelnen sanften Fahrstuhl-Glockenton oder einem gebrochenem Glockentondreiklang bestehen, bewegt sich jedenfalls auf ähnlichem Niveau. Als besondere ergonomische Innovation wird dabei ein geflissentlich vergrößerter zeitlicher Abstand zwischen den Klingelton-Wiederholungen angepriesen. Klingeltöne ohne Schnick-schnack also, zum Relaxen. Der Klingelton als minimalistisches Kunstwerk – wie PIXAR-Regisseur Patrick Lin euphorisch attestiert.
Was die Preise betrifft, folgt iRing Pro der Bauhaus-Tradition. Mit umgerechnet knapp 0,39 € pro Klingelton sind die sog. »Ringer« durchaus auch für die Massen erschwinglich. Aus traditioneller Marketing-Perspektive wird dadurch zwar der mondän exklusive Anspruch eines Luxusprodukts konterkariert, den iRing Pro zuvor noch erhoben hat. Doch ist ein Schuft, wer sich über niedrige Preise beschwert.
Ganz neu ist der Ansatz, eine dezentere Handy-Ästhetik für die VIP-Lounge zu schaffen, nicht. So engagierte 2005 Nokia für die Klingeltöne ihrer 8800er Handy-Serie mit Edelstahlgehäuse niemand geringeren als den namhaften japanischen Allround-Komponisten Ryūichi Sakamoto. Die gab es dann allerdings auch gleich vorinstalliert, und man hatte schon den Eindruck, Sakamoto habe sich etwas mehr Mühe gegeben als einfach nur zwei drei Tasten auf seinem Yamaha DX7 zu drücken.













