Als rasender Reporter mit dem Handy durch Afrika

In Afrika gibt es seit Mai 2007 das Projekt Voices of Africa. Es soll helfen, in Afrika die journalistische Berichterstattung auszubauen, da trotz beträchtlichen Fortschritts die Zahl der afrikanischen Reporter und Journalisten immernoch relativ klein ist. Momentan umfasst es sechs afrikanische Länder: Kenia, Südafrika, Ghana, Mosambik, Kamerun und Tansania. Die Africa Interactive Media Foundation hat das Projekt ins Leben gerufen, bei dem talentierte junge Männer und Frauen mit hochwertigen Handys und Tastatur ausgestattet werden, um journalistisch tätig zu sein. Die Technologie, die das möglich macht, heißt GPRS. Mittels GPRS können Bilder, Texte, Audio-Inhalte und Videos ins Internet geladen und so vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Die teilnehmenden Afrikaner sind als “Camjos” bekannt, einer Wortkombination von “camera” und “journalist”. Sie dokumentieren das Leben in Afrika und schreiben über interessante Ereignisse. Das Projekt ermöglicht Einblicke in Afrika, die sonst nicht so einfach hätten realisiert werden können und fördert talentierte junge Menschen. Außerdem zeigt es wieder einmal welches Potential im Handy und den neuen Technologien steckt, wenn man sie an den richtigen Stellen einsetzt!
Auch die spanische Zeitung El Pais hat die Bürgerjournalisten für sich entdeckt, allerdings mutet das Ganze meiner Meinung nach ein bisschen bizarr an: Amateurjournalisten können über “Yoperiodista” Bilder, Texte und Videos ins Netz stellen, die allerdings nur veröffentlicht werden, wenn sie von der Redaktion ausgewählt werden. Bürger “arbeiten” also unentgeltlich und zahlen im zweifelsfall noch SMS- und MMS-Gebühren für Beiträge, die später aussortiert werden. Das Geltungsbedürfnis einiger Leute scheint ziemlich hoch zu sein… Allerdings können Bürgerjournalisten auch auf Missstände aufmerksam machen für die namhafte Journalisten weder Interesse noch Zeit haben. Auf der Seite von El Pais kann man beispielsweise eine Bushaltestelle bewundern, die komplett zugewachsen ist. Vielleicht erbarmt sich nach dem Artikel jemand und sorgt dafür, dass man von den Bänken außer Grünzeug wieder etwas sieht.
Auch die Paparazzikultur wird durch die technischen Möglichkeiten der Handys gefördert. Viele Zeitungen bieten Geld für gute Amateurfotos. Wer bei einem Unfall erst einmal das Handy zückt, um ein Foto zu schießen, kann mit ein bisschen Glück sogar einen kleinen Profit einstreichen. Viele Fotos und Videos werden allerdings auch einfach bei YouTube eingestellt. Manchmal ist es wirklich erschreckend bei welchen Gelegenheiten Leute ans Filmen denken.
Also: Nieder mit dem Sensationsjournalismus und ein Hoch auf die Afrikaberichterstattung!

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