Kuba bald im Handyfieber??
Seit Fidel Castro nicht mehr im Amt ist, werden einige Dinge von seinem Bruder Rául Castro anders gehandhabt. Seit kurzem ist es den Kubanern gestattet Computer, Fernseher und Videorekorder zu kaufen. Die Geräte müssen mit der kubanischen Devisenwährung Peso Convertible bezahlt werden, die 24 Mal teurer ist als die normale Währung. Ein DVD-Spieler kostet so viel wie ein Großteil der Bevölkerung in einem halben Jahr verdient. Auch Handys sind jetzt erstmals nicht nur hohen Regierungsbeamten und Ausländern vorbehalten, sondern jedem Kubaner zugänglich, unabhängig von Rang und Namen. Dass die Handys ebenfalls die finanziellen Möglichkeiten der meisten Kubaner bei weitem übersteigen, ist ein kleiner Schönheitsfehler der neuen Freiheit. Das billigste Handymodell kostet 65 Dollar, die Erteilung einer Nummer weitere 120 Dollar und die billigste Guthabenkarte 11 Dollar. Somit muss ein potentieller Handybesitzer erst einmal 196 Dollar hinblättern, bevor er tatsächlich in den Genuss des Telefonierens kommt. Da das durchschnittliche Monatsgehalt der Kubaner bei 17 Dollar liegt, kann man sich ausrechnen, wie viele Kubaner demnächst telefonierend durch die Straßen flanieren werden.
Bush, der uns allen als besonderer Verfechter der Menschenrechte im Gedächtnis haften bleiben wird, hat nun angekündigt, dass es US-Bürgern künftig gestattet werden soll, den Kubanern Handys zu schenken. Das bestehende Wirtschaftsembargo wird somit in Bezug auf Geschenkpakete entscheidend gelockert. Dass das Ganze allerdings nicht nur aus Sorge um die armen eingeschränkten Kubaner initiiert wurde, wird klar, wenn man bedenkt, dass die Voraussetzung für das Telefonieren mit US-Handys eine Freischaltung des kubanischen Mobilfunkanbieters Cubacel ist. Wenn Castro allerdings nicht nachgibt, drohen Konflikte mit enttäuschten Handybesitzern. Laut Reuters war Bushs provokanter Kommentar dazu: “Wenn es Raúl mit seinen sogenannten Reformen ernst meint, sollten die Kubaner diese Telefone nutzen dürfen.” Die Sympathie zwischen den beiden Staatsoberhäuptern fördert die Aktion sicher nicht. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte ausgeht. Rául Castro möchte die Kontrolle nicht aus der Hand geben. Dies wird auch deutlich, wenn man sich ansieht, wie das Regime mit Meinungsfreiheit und Systemkritik umgeht. Momentan haben nur sehr wenige Kubaner Internet und diejenigen, die Zugang haben, können nur auf zensierte Seiten zugreifen und müssen bei eigenen systemkritischen Beiträgen damit rechnen, belangt zu werden. Somit ist klar, dass die Nutzung des Internets über das Handy den gleichen Beschränkungen unterliegen wird.
Bis in Kuba das Handy so unentbehrlich geworden ist, wie in Deutschland, wo man sich ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen kann, ist es noch ein langer Weg. Der erste Schritt ist getan: Das kubanische Volk hat die Erlaubnis ein Handy zu besitzen. Hoffen wir, dass der zweite Schritt, nämlich erschwingliche Preise für jedermann, auch bald vollzogen wird und Schritt 3, freie Meinungsäußerung im Internet, folgt. Viva la libertad!














Am 2. Juli 2008 um 18:30 Uhr
Das mit dem Handy könnte in Cuba ganz schnell gehen. Pakistan ist auch nicht unbedingt die Schweiz. Laut Presse hat Pakistan aber einen sehr großen Handymarkt. Das Handy soll dort angeblich unverzichtbarer Teil der Alltagskultur sein.