Das Handy mit seinen endlosen Spielereien und Werbemöglichkeiten - Und wer denkt an unsere Nerven?
Das Handy und Musik. Auch wenn die Klingeltonkäufe am Zurückgehen sind, wird eifrig weiterentwickelt und gegrübelt, wie man Musik und Handy am gewinnbringendsten zusammenbringen kann. Abgesehen von unspektakulären Ideen, wie Teenies per populärer Fernsehserie davon zu überzeugen, dass mindestens 5 verschiedene Klingeltöne vonnöten sind, um auch gleich beim ersten Mucks, den das Handy von sich gibt, zu erkennen, wer anruft, gibt es auch innovative Konzepte. Die Branche ist sich sowieso einig, dass die Zukunft der Klingeltöne darin liegt, sie sich selbst zusammenzustellen bzw. einfach das Lieblingslied zu übertragen. Somit hat das türkische Mobilfunkunternehmen Turkcell kürzlich den Freizeichenton für Werbezwecke entdeckt: Der Anrufer bekommt eine Werbebotschaft, während er darauf wartet, dass Freund oder Freundin endlich den Hörer abhebt. Für das eifrige Werbelauschen wird der Anrufer sogar belohnt, denn je länger er sich der Werbung aussetzt, desto mehr Freiminuten gibt es am Monatsende. An sich keine schlechte Idee, kann aber sehr nervig werden, wenn man unbedingt jemanden erreichen muss, der über einen längeren Zeitraum einfach nicht ans Handy geht. Da verflucht man dann irgendwann die Werbung, ob mit oder ohne Freiminuten. Andererseits, wenn sich das Freiminutensammeln lohnt und die Werbebotschaften einen echten Mehrwert für den Anrufer bieten, hat das Modell vielleicht eine Zukunft.
Eine weitere Möglichkeit, die die Musikindustrie für sich entdeckt hat, sind die Push-Klingeltöne. Dabei bestimmt der Anrufer, welchen Klingelton der Angerufene hört und wenn der Klingelton gefällt, kann ihn der Empfänger direkt per Tastendruck käuflich erwerben. Es drängt sich jedoch die Frage auf, ob es eine gute Idee ist, die Leute erst teure Klingeltöne für das eigene Handy erwerben zu lassen, um dann im Anschluss, die Anrufer bestimmen zu lassen, wie es klingelt. Außerdem gibt es sicher einige lustige Menschen auf der Welt, die genau den Klingelton wählen, von dem sie wissen, dass ihn der Empfänger abgrundtief hasst. Mich würde so etwas grandios nerven. Ein weiteres Problem ist, dass man ja nie weiß, ob es jetzt das eigene Handy ist oder das eines anderen. Man kennt den Klingelton im Voraus ja nicht. In diesem Fall bleiben zwei mögliche Szenarien: Entweder man reagiert bei jedem Piepsen und wühlt panisch nach dem Handy in der Tasche, oder man geht gar nicht mehr ans Handy, weil man davon ausgeht, dass es sowieso nicht das eigene ist.
Und das ist noch nicht alles: Zukünftig sollen digitale Visitenkarten in Form von kleinen Videos Handygespräche einleiten und beenden. Man nimmt diese Gespräche an, indem man selbst erst einmal ein kleines Video zurücksendet und erst dann wird traditionell gesprochen. Zum Abschied erfolgt die gleiche Prozedur. In den USA soll dieser Service bereits angelaufen sein, wenn er auch noch nicht sehr populär ist. Auch bei dieser Idee bin ich skeptisch. Wenn ich einfach nur kurz jemanden Anrufen möchte, habe ich keine Lust, gezwungen zu sein, mir irgendwelche Videos, die vermutlich auf reiner Selbstdarstellung basieren, anzusehen. Diese Entwicklung klingt sehr nach einer Komplizierung des Anrufvorganges. Ich habe den Eindruck, dass bei manchen Marketingkonzepten und Vermarktungsmöglichkeiten vergessen wird, wie nervig das für den Handybesitzer sein kann.
Fazit: Interessante Ansätze, ich habe allerdings den Eindruck, dass an den Konzepten im Hinblick auf die Nerven der Handynutzer noch ein wenig gefeilt werden sollte.













