Mit Simkartentausch gegen die Vorratsdaten- speicherung?

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung setzt sich gegen das am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Gesetz der Vorratsdatenspeicherung zur Wehr und organisiert gezielt Aktionen, die die Vorratsdatenspeicherung boykottieren sollen. Anfang des Jahres gab es eine Simkartentauschbörse, wo man seine Simkarte (Voraussetzung: 10 Euro Guthaben und kein Simlock) gegen eine andere tauschen konnte. Sinn und Zweck der Übung war, dass die Registrierungsdaten der Karteninhaber nach einem Tausch eben nicht mehr mit der Simkarte übereinstimmen und somit überwachungsfreies und anonymes Telefonieren möglich werden soll. Man fragt sich allerdings, ob das Ganze wirklich eine so gute Idee ist, bzw. ob sich der Aufwand und der Nutzen wirklich die Waage halten. Zuerst einmal muss man dem kompletten Freundes- und Bekanntenkreis die neue Nummer mitteilen und darauf hoffen, dass der Tauschpartner ebenfalls auf diese gute Idee gekommen ist, denn sonst werden einige unerwünschte Anrufe unbekannter Leute auf dem Handy auflaufen. Auch die Kundendienstleistungen des Anbieters können nicht mehr wahrgenommen werden, da man sich ja nicht mehr identifizieren kann und der Anbieter den Anforderungen des Datenschutzes entsprechen muss.

Die Folgen können allerdings auch ernsthafter Natur sein, wenn der neue Besitzer mit der Karte Missbrauch treibt. Wenn sie bei Straftaten eingesetzt wird, droht dem Eigentümer, also demjenigen, der den Vertrag unterschrieben hat, die Gefahr der Beihilfe angeklagt zu werden, da der Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter weiterhin besteht und man für den Missbrauch haftet. Aufgrund dieser Gefahr wurde die Tauschbörse bis auf Weiteres geschlossen, allerdings mit dem festen Plan, sie in Zukunft unter besserer Absicherung wieder zu eröffnen. Wie das gehen soll, weiß aber niemand…

Am 31. Mai 2008 ist ein bundesweiter Aktionstag geplant. Das Motto ist “Freiheit statt Angst - Für die Grundrechte”. Unter anderem werden in verschiedenen Städten gegen Spende pseudoregistrierte Simkarten verteilt, die anonyme Gespräche möglich machen sollen. Man fragt sich, was der Aufwand soll, da eine Identifizierung des Nutzers weiterhin über die Gerätenummer des Mobiltelefons möglich ist, unabhängig von der Simkarte. Abgesehen davon geht es lediglich darum, dass Verbindungsdaten für ein halbes Jahr gespeichert werden - keine Gesprächsinhalte. Man gibt an so vielen Stellen gedankenlos Daten und Informationen preis, dass ich persönlich der Meinung bin, wenn eine Speicherung der Handydaten zur Aufklärung von Straftaten und zur Aufdeckung von Terroristen beitragen kann, sollte diese Möglichkeit genutzt werden. Bevor massiv gegen Gesetze vorgegangen wird, die der Gesellschaft einen Nutzen bringen können, sollte man die Menschen erst einmal darüber aufklären, wo sie überall Informationen hinterlassen, die jeder einsehen kann, bzw. wo ihre Daten legal weitergegeben werden. StudiVZ und die Payback-Karte lassen grüßen.

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Eine Reaktion zu “Mit Simkartentausch gegen die Vorratsdaten- speicherung?”

  1. chris

    Nur mal so am Rande: Es gibt nach wie vor Prepaid-Karten, die zwar nach einer Registrierung verlangen, aber keinerlei Überprüfung der angegebenen Daten erfordern. Stichwort: ALDI. :o))

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