Todesbranding im Mobile Marketing

Mobiler CouponViel habe ich darüber geschrieben, wurde selbst in der Realität noch nie damit konfrontiert. Letzten Montag aber war mein erstes Mal. Ich wurde Augenzeuge einer Mobile Marketing Aktion. Genauer gesagt, ich war selbst der Empfänger eines mobilen Coupons.

Ich sitze arglos, abwechselnd zuhörend und dösend, in einer Vorlesung an der Uni. Plötzlich vibriert mein Handy. Ich vermute einen Freund und öffne die angekommene SMS. Doch der Absender ist weder Freundin, Freund, Schwester noch Mama. Es ist eine bekannte Pizza-Schnellrestaurant-Kette. „Süßer Spaß bei ****. Bei jeder Bestellung gibt es mit dieser SMS Mini Donuts gratis zum Nachtisch(…).“

Aha. Würde ich heute eine Pizza essen wollen, würde vielleicht diese Lokalität zu meiner Wahl-Pizzeria avancieren. Nur leider laufe ich gerade nicht durch die Innenstadt, sondern sitze in einem Hörsaal auf dem Campus und ich habe auch nicht vor in nächster Zeit ins Zentrum zu fahren. Auch nicht wenn ein gratis Dessert dort auf mich wartet. Mein nächster Gedanke ist: Woher haben die überhaupt meine Handynummer? Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein Formular für dieses Restaurant ausgefüllt zu haben.

Also landet die SMS umgehend auf dem digitalen Müllhaufen. Verlorene Müh und Knete für das Unternehmen, das bekannt ist für kalorienreichen Käserand. Wie hätte ich mich verhalten, wäre ich tatsächlich im Zentrum gewesen? Ich hätte mich mit Sicherheit erschrocken umgeschaut und gefragt, warum diese Nachricht gerade jetzt auf meinem Handy eintrudelt. Eine Standard-Normal-SMS ohne Schnickschnack, keine Bluetooth-Übertragung. Ich hätte mich beobachtet und komisch gefühlt. Und um den Pizzabäcker einen großen Bogen geschlagen. Vielleicht auch nicht, aber den Coupon hätte ich, als spontane Trotzreaktion, bestimmt nicht eingelöst. Weil die Pizza-Kette meine Handynummer nicht haben sollte.

Ich spüre an mir selbst, wovon ich immer nur geschrieben habe: Erlaubnis ist das A und O im Mobile Marketing. Hätte ich einen „Coupon Newsletter“ aller Mainzer Restaurants, hätte ich diese SMS als etwas Positives empfunden. So bin ich empört und wütend über die Pizza-Kette. Als Werbemaßnahme war dieser ungewollte Coupon somit ein Schuss in den Ofen. Über eines sollten sich alle Unternehmen im Klaren sein: wer sein Image nicht ruinieren will, sollte dem Kunden etwas anbieten, das er sich dann aktiv holt. Auf keinen Fall aufzwingen, sondern auf das bekannte Pull-Verfahren setzen. Denn Handy-Spam ist Todesbranding.

Hast Du auch schon eine SMS vom Käserand-Pizzabäcker bekommen? Und? Wie hast Du reagiert? Hat es Dich gefreut, warst Du verärgert oder bist Du vielleicht sogar empört gewesen? Ich würde es nur zu gern wissen!

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