Zweiklassengesellschaft auch für Handynutzer
oder: Geld regiert die Welt
Wer reich ist, wird bevorzugt bedient. Eine bittere Wahrheit, die auch in Deutschland immer klarer und immer sichtbarer wird. Privatpatienten bekommen schneller Arzttermine, Kinder aus finanzschwächeren Familien können sich kein Studium leisten, selbst die Hauptsteuerlast liegt auf den Schultern der ohnehin abrutschgefährdeten Mittelschicht und nicht auf jenen, die „superreich“ genannt werden.
Ein Trend, eine Entwicklung, die sich durch die ganze Gesellschaft zieht. Bald auch in der Mobilfunkbranche. Eigentlich klingt die Technologie, die das mit sich bringt, harmlos: SNAPin. Sie verhindert aber, dass der Handybesitzer bei Problemen die Hilfe bekommt, die er gewöhnlich erwartet hätte. Wählt man nämlich die Service-Hotline seines Anbieters, erscheint statt eines Verbindungsaufbaus zu einem Call-Center ein Selbsthilfemenü. Statt einer Antwort also noch mehr Fragen.
Als erster Mobilfunkanbieter will Vodafone die neue Technologie benutzen. Aber andere Anbieter werden auch bestimmt nicht lange zögern, durch weniger Service weniger Geld wegen Kunden zu verprassen, bei denen ohnehin weniger zu holen ist. Im Endeffekt sieht es nämlich so aus: Ein finanzstarker Kunde bekommt die direkte Verbindung zu einem kompetenten Berater, der Wenigtelefonierer bekommt nur eine Hilfe zur Selbsthilfe. Ob die ihm wirklich helfen wird, ist mehr als fraglich.
Einen ganz anderen Vorschlag zu einer differenzierteren Kundenbehandlung im Servicebereich schlägt die Unternehmensberatung Arthur D. Little vor: wer einen günstigen Tarif hat, soll die schlechtere Verbindungsqualität haben und bei Netzüberlastung als erstes aus dem Netz gekickt werden. Oder gar nicht erst hineinkommen, während zahlungskräftige Exklusivnutzer stets das Beste vom Netzkuchen erhalten. Bisher nur ein Vorschlag, aber für den ein oder anderen österreichischen Mobilfunkanbieter „denkbar“.
Die selten gewordenen Telefonhäuschen würden in diesem Fall bestimmt ein Comeback erleben, denn der bisherige Vorteil des Handys, der ihm zum Durchbruch verholfen hat, nämlich immer und überall erreichbar zu sein, würde sich ab und an in Luft auflösen.
Aber das macht den Anbietern ja nichts: die Schere zwischen Arm und Reich geht ja sowieso immer weiter auseinander. Die Oligarchen werden die Kassen schon füllen, und das Prekariat bekommt eben minderwertige Ware für ein paar Cent.
Schöne neue Handywelt!














Am 17. April 2008 um 12:27 Uhr
Ist ja schon bedenklich diese Entwicklungen.
Aber es hat sich ja erst kürzlich gezeigt, dass die Mobilfunkanbieter immer rigoroser die Entscheidung darüber fällen, wer was darf und was nicht (siehe http://www.it-business.de/news/dienstleister/marketing%2Dvertrieb/allgemein/articles/117973/).
BASE stand zuerst in den Schlagzeilen mit der fristlosen Kündigung ohne vorangehendes Mahnschreiben und T-Mobile & Co. folgten keine zwei tage diesem “guten” Beispiel. Und das fand ich schon ein dickes Ding!
Mich würde es überhaupt nicht wundern, wenn SNAPin von allen Mobilfunkanbietern eingeführt wird.