Mobile Banking bleibt ein verstoßenes Kind

In den letzten acht Jahren starteten verschiedene Banken immer wieder Versuche, Bankgeschäfte per Handy zu etablieren. Die einzigen, die sich dafür zu interessieren schienen, waren allerdings die Banken selbst. Den US-Amerikanern entlockte noch im Oktober 2007 der Gedanke an Mobile Banking nur ein müdes Gähnen.

Mit Beginn des neuen Jahres, oder schon ein wenig früher, scheint sich dieses Verhältnis gewandelt zu haben. Während also letzten Herbst die Handynutzer noch gelangweilt auf Mobile Banking reagierten, sind aktuell schon 16 Prozent fleißig dabei, nicht nur ihren Kontostand mobil abzufragen, sondern auch Transaktionen durchzuführen. Und von denen, die es noch nicht tun, sind über 30 Prozent interessiert, vielleicht bald damit anzufangen. Das behauptet eine brandaktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Harris Interactive.

Im Oktober 2007 nutzten lediglich neun Prozent ihr Handy zur Erledigung von Bankgeschäften. Das bedeutet einen Anstieg binnen weniger Monate um sieben Prozent, also fast eine Verdopplung der Nutzerzahl. Ist das realistisch? Ist nach etlichen Fehlschlägen doch die Zeit für Mobile Banking gekommen?

Aufhorchen lassen auch andere Ergebnisse der Studie: 20 Prozent der Befragten würden gerne ihr Handy in Zukunft als „mobiles Portemonnaie” benutzen. Auch das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Mobile Payment bislang vor allem in Entwicklungsländern rasant an Beliebtheit gewonnen hat.

In Deutschland ist der Status Quo nach wie vor verworren. War Key Pousttchi, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Augsburg, im April noch der Meinung, Mobile Banking müsse eher als „Information” denn als „Transaktion” verstanden werden, verkündete ein Forscherteam der TU Hamburg-Harburg im Oktober mit dem Titel ihrer Studie schon viel mehr: „Mobile Banking avanciert zu einer Standardanwendung in Deutschland“.

Die Computerwoche titelte Anfang Februar Mobile Banking nimmt erneut Anlauf”. O2 und Vodafone kündigten Ende Januar ein mobiles Bezahlsystem an. In den USA nutzen bereits 25 Prozent der befragten Nutzer, die über einen mobilen Internetzugang verfügen, ihr Handy um Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Wird sich diese Zahl in der kommenden Zeit auf Deutschland übertragen?

Die größte Barriere besteht laut Harris Interactive in der Angst um die Sicherheit der sensiblen finanziellen Daten. 63 Prozent der Befragten fürchten, durch die Übermittlung ihrer Daten Opfer von Betrügern zu werden, 61 Prozent fürchten den Verlust des Handys und damit den Verlust ihrer persönlichen finanziellen Informationen.

Die mobile Technologie wird natürlich immer sicherer, aber mit der Professionalisierung der mobilen Software, vor allem bei Smartphones, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für Malware. Andererseits sind Besitzer von Smartphones viel begeistertere Mobile Banker. Und die meisten Surfer hindert die Angst vor Betrug auch nicht am Banking via PC.

Ganz klar muss zwischen Mobile Banking und Mobile Payment unterschieden werden. Während Mobile Payment sich bestimmt durchsetzen und vor allem Kleingeld ersetzen wird, muss Mobile Banking sich trotz steigender Beliebtheit langfristig wahrscheinlich einen Platz im Schatten suchen und ein auf einen kleinen, besonders eiligen Teil der Gesellschaft beschränktes Phänomen bleiben. Finanzielle Angelegenheiten, die so dringlich sind, dass sie innerhalb kurzer Zeit von unterwegs erledigt werden müssen, sind eben ganz einfach selten.

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