„Karl, wir landen in zehn Minuten“

Verkehrsministerium erlaubt Handynutzung im Flugzeug

Einen entspannenden Vorteil hatte das Flugzeug bisher gegenüber anderen Transportmitteln: man konnte weder mit zu lauten Kopfhörern noch mit musikähnlichen Störgeräuschen aus Handylautsprechern von Minderjährigen genervt werden. Alle Geräte mussten einfach ausgeschaltet bleiben.

Diese im wahrsten Sinne des Wortes himmlische Besonderheit hat nun, zumindest was die gesetzliche Grundlage betrifft, ein Ende: Das Bundesverkehrsministerium erlaubte kürzlich die Nutzung von Mobiltelefonen, Laptops mit W-LAN, etc. über den Wolken. Ungefährlich für den Funkverkehr des Piloten wird der Mobilfunk durch eine spezielle, ins Flugzeug eingebaute Umschaltstation, die Handys mit möglichst niedriger Sendeleistung mit ihrem Netz verbinden.

Die Flugsicherheit soll aber weiterhin an erster Stelle stehen, und so darf jede Fluggesellschaft selbst entscheiden, ob sie ihre Passagiere telefonieren lassen möchte. Die deutschen Airlines wollen erst einmal nur das Verschicken von Kurzmitteilungen und Surfen via W-LAN, nicht aber das Telefonieren erlauben. Nicht aufgrund technischer Gefahren, sondern weil “die überwiegende Mehrzahl der Gäste (…) sich durch die Freigabe von Mobiltelefonen gestört” fühle. Dies sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Natürlich hat das Ministerium nicht an nervige Schwätzer gedacht, als es das neue Gesetz plante – in erster Linie sollten Geschäftsleute von der stratosphärischen Kommunikation profitieren.

Würde es doch einmal zu einer „Plapperfreigabe“ kommen, würden auch die Pharmaunternehmen profitieren – nämlich dann, wenn Stewardessen die Passagiere nach „Kaffee, Tee, Baldrian oder Valium?“ fragen. Als ob Fliegen nicht schon nervenaufreibend genug wäre, müsste man sich wohl das nervige Business-Gequatsche des Sitznachbarn, die neuesten Lästereien der Tussnelde auf den hinteren Sitzen und die dröhnenden Technobeats aus den Kopfhörern des Vordermanns, der in spätestens drei Jahren einen irreparablen Tinnitus erleiden wird, antun. Leider fehlt eben viel zu vielen Menschen das Feingefühl für eine soziale Handy-Benutzung. Zum Glück bleiben die beschriebenen Horrorszenarien erst einmal irreal.

Also – guten Flug!

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