Das Handy, der geliebte Eindringling
Australische Studie offenbart Verblüffendes
Störenfried. Nervtöter. Kostenfalle. Unruhestifter. Scheißding. Es gibt viele Bezeichnungen für das Handy und genauso viele Vorwürfe, die dahinter stehen. Bisher ging auch die akademische Forschung davon aus, dass das Handy nicht nur Segen und Sicherheit schafft, sondern auch dafür sorgt, dass beispielsweise der Arbeitsplatz in Freizeit und Familie eindringt, somit das Handy die Balance zwischen Arbeit und Privatem empfindlich stört.
Verbindung nach Hause
Das genaue Gegenteil scheint allerdings der Fall zu sein, glaubt man einer aktuellen australischen Studie. Diese zeigt auf, dass das Handy vorrangig genutzt wird um auch während der Arbeitszeit mit den engsten Angehörigen in Verbindung zu bleiben, nicht aber um nach Feierabend Geschäftliches zu erledigen.
Männer reden „dienstlicher“
Fast die Hälfte (48%) der 1358 Befragten nutzen ihr Handy vorwiegend um die Familie, 26 Prozent um Freunde zu kontaktieren. Berufliche Gespräche sind weit weniger wichtig (16%). Dabei zeigt sich ein frappierender Unterschied zwischen Frauen und Männern: Mehr als ein Drittel der befragten Männer (38%) nutzen ihr Handy um arbeits- oder studienbezogene Anrufe zu tätigen, aber nur 11% der befragten Frauen. Darüber hinaus sind Frauen zögerlicher wenn es darum geht, das Mobiltelefon mit in den Urlaub zu nehmen um mit Arbeitskollegen zu sprechen. Unter den verschiedenen Berufsgruppen tendieren vorwiegend Manager dazu, per Handy über die Geschäfte zu Hause auf dem Laufenden zu bleiben.
Balance schaffend
Nur drei Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass das Mobiltelefon die Balance zwischen Arbeit und Privatleben negativ beeinflusst. 43 Prozent empfinden keinerlei Einfluss, weder positiven noch negativen. Mehr als die Hälfte glaubt sogar das Handy helfe ihnen dabei, einen Ausgleich zwischen Familien- und Arbeitsleben zu finden.
Nur eine unbewusste Anpassung?
Der Druck, per Handy überall und jederzeit erreichbar sein zu müssen, scheint also die Australier nicht mehr zu beeindrucken. Oder haben sie sich mittlerweile unbewusst an die Veränderungen angepasst und empfinden das Verschwimmen von Privatleben und Beruf eher als Balance denn als Eindringen? Lassen sich die Ergebnisse der Studie auch auf Deutschland übertragen? Ändert das sich langsam einschleichende Gewöhnen an die ständige Erreichbarkeit unsere Wahrnehmung? In Großbritannien zumindest fühlten sich vor zwei Jahren noch 41 Prozent der Mitarbeiter vom Firmenhandy unter Druck gesetzt.
Wahrscheinlich kommt es auf den Beruf und vor allem den Einzelnen an. Ich persönlich fühle mich mit dem Handy in der Tasche eher beruhigt als überwacht. Die Option es auszuschalten und seine Ruhe zu haben ist schließlich immer gegeben, egal ob im Nachhinein ein Anrufer darüber nörgelt.













