Killer Apps: GPS wird die neue “Handykamera”

Die neue Killerapplikation fürs Handy – sie scheint endgültig festzustehen. Die Experten sind sich einig. Die Rede ist nicht von Mobile TV, das zwar gerade in Deutschland in den letzten Monaten einen kräftigen Aufwind erhalten, aber auch nicht gerade wenige Abonnenten zur Unzufriedenheit und damit zur schnellen Kündigung bewegt hat. Die Rede ist von GPS, kurz für Global Positioning System. “GPS ist die neue Kamera” behauptet Christian Lindholm von Fjord in einem Interview mit Forbes.com. Kamera deshalb, weil es eine extrem erfolgreiche Idee war, genau sie ins Handy zu integrieren und genauso erfolgreich wird Lindholms Einschätzung nach auch das integrierte GPS.

“Die Chippreise sinken gerade rapid“, Provider „träumen davon“ Geld aus standortbezogenen Diensten (Location Based Services) zu machen. Aber nicht nur sie – Branchenriesen lecken sich schon lange die Finger nach den besten Services à la „Wo ist die nächstgelegene Pizzeria?“, denn orts- und situationsbezogene Informationen sind bekanntermaßen die Schnellstraßen zur großen Goldgrube im Mobile Marketing. Schon im Oktober letzten Jahres sagten die Analysten von Isuppli voraus, dass sich der Absatz von Mobiltelefonen mit GPS-Funktion bis 2011 mehr als vervierfachen wird.

Die Bestimmung der Position nützt nicht nur der betreffenden Person und Serviceanbietern. Handyortung ist schon lange ein interessantes Thema für besorgte Eltern, die wissen möchten wo sich ihr Kind gerade aufhält (z.B. Track Your Kid).
Standortbestimmung funktioniert zwar auch ohne GPS mit Hilfe von Funkmasten – diese Technik benutzt beispielsweise Google – aber selbst in Großstädten kann man damit seine Position nur in einem Radius von 300 Metern bestimmen. Ohne Ortskenntnis hilft das also wenig weiter.

Zukunftsträchtig scheinen vor allem GPS-Funktionen für Social Networks wie u. a. bei Plazes oder Gypsii. Yahoo will die Funktion, Freunde in der Nähe ausfindig zu machen und zu kontaktieren, zur Perfektion bringen und erhebt den geplanten Service oneconnect sogar auf eine höhere Ebene mit den Worten “It’s time for a revolution“.

Doch damit sind die Möglichkeiten eines „Handynavigationsgeräts“ noch längst nicht ausgeschöpft. Bislang nutzten zum Beispiel Profi-Mountainbiker spezielle Geräte, um ihre Trainingsstrecke und Leistung aufzuzeichnen und später am PC zu analysieren. Hier setzt Map My Tracks an. Wenn man ein GPS-fähiges Handy besitzt, kann man sich die entsprechende Software herunterladen und ein zusätzliches GPS-Gerät wird überflüssig.

Der Radius der Möglichkeiten, der sich durch GPS-fähige Handy ergibt, ist groß. Grund genug sich Gedanken zu machen, in wieweit man sich selbst und andere orten möchte. Hat man immer Lust darauf von anderen jederzeit gefunden werden zu können? „So, jetzt noch schnell Brot holen – och nee, wieso begegne ich jetzt ausgerechnet der Labertante Tina?“ „Ich hab gerade auf meinem Handy gesehen, dass du drei Straßen weiter bist, da dacht’ ich wir könnten ja noch kurz Käffchen trinken gehen…“ Eine wunderbare Technik, wenn es um die Aufsicht gerade von jüngeren Kindern geht, aber gleichzeitig auch ein gefundenes Fressen für Kontrollfreaks und übereifersüchtige Partner.

Bei aller Bequemlichkeit einer Routenplanung „per pedes“ ist es vielleicht ratsam doch zuerst das Orientierungssystem im eigenen Gehirn zu benutzen wenn man nicht lebensunfähig werden will, falls die Technik mal ausfällt. Es häufen sich Geschichten von LKW-Fahrern, die mangels Ortskenntnis ihrem Navigationsgerät blind vertrauten und in viel zu engen Straßen landeten, wo sie schlimmstenfalls mehrere Tage stecken blieben. Es gibt auf dieser Welt viele Kandidaten, die als Fußgänger mit Sicherheit blind in Sackgassen und gegen Straßenlaternen laufen werden...

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Eine Reaktion zu “Killer Apps: GPS wird die neue “Handykamera””

  1. Multiplayer

    Interessanter Artikel! Mindestens zwei der oben genannten Anwendungsbereiche vereinigt das Multiplayer GPS Spiel “Tourality” (http://tourality.com): Sport/Spiel und Social Networking. Es setzt auch auf GPS-Handys als Gerät der Zukunft.

    Edit by Andreas: Ja, Tourality geht sicher in diese Richtung. Aber trotzdem solltet Ihr beim Eingabefeld “Name” auch den Namen eintragen, und kein Keyword, Daher URL gelöscht…

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