Mobile Games: Die Zeit ist reif

Sie steckten in einem Dilemma. Sie seien nicht der Superrenner, der die Klingeltöne vor ein paar Jahren waren. Sie hingen noch in der Warteschleife. Sie, die Handyspiele, hatten es in den letzten Wochen nicht einfach, inmitten all diesen niederschmetternden und bedauernden Worten standfest zu bleiben.

„Mit großen Hoffnungen bei den Herstellern gestartet, finden sie in der Wahrnehmung von vielen Handynutzern nach wie vor nicht statt“, schrieb die Netzeitung kurz vor Jahresende. Das denkt Deutschland. Doch wie war das? Hinken wir nicht hinterher was die Nutzung mobiler Anwendungen betrifft? Anglophone Experten nämlich schätzen die momentane Lage etwas anders ein. Der australische Spieldesigner und -journalist Jason Hill teilt zwar die Ansicht der deutschen Experten, dass Handyspiele nicht die Erwartungen erfüllt hätten, die man in den letzten Jahren an sie gestellt hat. Aber er glaubt an eine bessere Entwicklung innerhalb der nächsten Zeit, denn „19% aller australischen Handybesitzer spielen mindestens einmal pro Woche Spiele auf ihrem Handy.” Eine ganze Menge für Leute, die Mobile Games noch nicht wahrgenommen haben sollen.

Es gibt viele Experten, die hundertprozentig vom baldigen, ihrer Meinung nach schon lange überfälligen Durchbruch mobiler Spiele überzeugt sind. Zu ihnen zählt David Watkins, ein Multimedia Verkaufsleiter für Nokia. Er ist sich des gewaltigen Potenzials, das in den Handyspielen steckt, sicher. Ein Potenzial, dass sich nur aufgrund der schwierigen technischen Rahmenbedingungen bisher nicht richtig entfalten konnte.

Wie wir kürzlich berichteten, setzen jetzt Branchenkenner auf Googles Betriebssystem Android, das dieses Jahr auf den Markt kommen soll. Jason Hill ist sich sicher, dass Android auf großflächige Unterstützung der Entwickler stoßen wird. „Android befreit die Entwickler” verspricht Baris Karadogan, Risikokapitalgeber bei ComVentures.

Eine andere Entwicklungsbremse neben der Technik sieht Gunnar Lott, Chefredakteur der Zeitschrift „GameStar“, in der Funktion der Handyspiele allgemein: „Sie sind eine Domäne der Gelegenheitsspieler - und die müssen nicht immer wieder neue Titel haben.“ Diese Aussage widerspricht allerdings dem Verhalten vieler Mobile Gamer – die nicht nur gelegentlich, sondern bei jeder Gelegenheit spielen. Gerade sie wünschen sich nach wenigen Wochen ein neues Spiel.

Zu meckern gibt es immer viel – aber ebenso viel auch zu loben. Bessere Technik. Günstigere Datentarife. Mobilfunkanbieter, die verstanden haben, dass sie ihre Nutzer nicht in die eigenen Portale „einsperren“ können. Es gibt viele Gründe, an das Potenzial der Handyspiele zu glauben. Baris Karadogan ist überzeugt, dass Spiele allgemein 2008 „abheben“ werden. „Ich glaube die Leute werden begreifen, dass sie schon immer Spieler waren.“ Diese etwas ungewöhnliche Meinung begründet er mit Faktoren, die alle zusammen hängen: Spiele würden sozialer werden, fühlbarer, greifbarer. Damit sprechen sie genau die Menschen an, für die digitale Spiele bisher ein Hobby von introvertierten Freaks waren. Jetzt wird die Zielgruppe also, etwas spitz formuliert, um die „sozialen“ Wesen erweitert. Dazu gehört der Großteil der Frauen. Und gerade die haben laut Hill momentan die Tendenz genauso gerne zu spielen wie Männer.

Entwicklerstudios sollten eventuell auch einen Blick auf Mobile Games werfen, es könnte sich lohnen. „Handyspiele stellen für neue australische Studios einen der besten Wege dar Fuß zu fassen, da ein Handyspiel mit relativ geringem finanziellen Aufwand und Personal entwickelt werden kann“ – davon ist Tom Crago, Präsident der “Australian Game Developers’ Association“ überzeugt. Mittlerweile haben alle Entwickler verstanden, dass es nicht damit getan ist das Handy zu einer zweitklassigen Konsole zu degradieren. Trip Hawkins, Gründer von Electronic Arts, betont die Einzigartigkeit des Handys: “Es ist ein neues Medium und ich möchte einen frischen Blick auf das werfen, wozu dieses neue Medium in der Lage ist.“

Warum also immer noch auf einer langsamen Entwicklung herum reiten? Wieso nicht die aktuellen Fortschritte beachten, die gar nicht so unbedeutend sind? Neue Medien mit „artgerechten“ Inhalten zu bestücken hat schon immer eine Weile gedauert. Bis Computerspiele ihr heutiges Niveau erreichten, hat es Jahrzehnte gedauert. Warum will man das vom Handy innerhalb einer Dekade? Was wir aus der Mediengeschichte lernen können ist ein offener Blick dafür, wie Menschen ein neues Medium nutzen; daraus kreative Ideen zu entwickeln und aus diesen Ideen dann innovative und spannende Spiele zu erschaffen.

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