2008: Das Jahr des Mobile Internet – nicht für Deutschland?

Deutschland hinkt hinterher. Rauchverbot, Tempolimit, immer noch PISA – und auch beim mobilen Surfen. „2008 wird das Jahr des mobilen Internets!“ verkündete Russel Buckley, Managing Director Europe der AdMob Inc. am 3.12. beim „Mobile Monday“-Gipfel in Frankfurt. „Diese Vorhersage kann allerdings nicht für Deutschland gelten.“

Krach – die imaginäre Tür fällt ins Schloss, imaginäre Prognosen-Ersteller, sonst so enthusiastisch, schlucken und schweigen, imaginäre Werbetreibende starren die weiße Wand an. So dramatisch klingt diese Vorhersage. Untermauert wird sie noch durch Zahlen der AdMob Inc., die kürzlich eine Liste der Länder „in denen die Nutzung [des mobilen Internets] offensichtlich bereits zum Alltag gehört“ veröffentlichte. Diese Liste liest sich außerordentlich ungewöhnlich: angefangen bei den USA auf Platz 1, über Rumänien auf Platz 5, über Bangladesch an sechster Stelle, Kanada auf siebter und auf Platz 10 Serbien-Montenegro. Von der Bundesrepublik keine Spur.

Den Grund für den Unwillen der Deutschen zum mobilen Surfen sieht Buckley in den viel zu hohen Datentarifen der deutschen Mobilfunkbetreiber, die ein echtes Wachstum hemmten. Damit Deutschland nicht den Entwicklungsländern weiter hinter her hinke, müssten Tarife deutlich sinken. Und zwar noch weiter als bisher, damit mobiles Surfen auch für Otto-Normalverbraucher erschwinglich würde.

Im November diesen Jahres monierte die PC Welt, dass die Hälfte aller Unternehmen der Telekommunikationsbranche das mobile Internet als Zugpferd ansähen, das Interesse sich momentan aber nur auf Geschäftskunden beschränke, die knapp 80 Prozent des Umsatzes in diesem Bereich ausmachten. Privatkunden seien nach wie vor skeptisch, jeder dritte von ihnen aber durchaus interessiert.

Vielleicht lohnt es aber, über 2008 hinaus die folgenden Jahre in die eigenen Überlegungen mit einzubeziehen. Die Handybesitzer wurden meiner Meinung nach erst zu Skeptikern durch ihre Mobilfunkanbieter. Wie oft passierte es, dass jemand aus Versehen auf die voreingestellte WAP-Taste drückte und 50 Cent für diesen unbeabsichtigten Klick berappen musste?

Die Kosten sind darüber hinaus für den Kunden nach wie vor schwer überschaubar – wer kann sich schon vorstellen, wie viel er mit einem Megabyte surfen kann? Beim durchschnittlichen Discounter kostet dieses Megabyte 24 Cent. Je nachdem, welche Websites aufgerufen werden, kann das günstig, genauso gut aber auch relativ teuer sein. Es gibt darüber hinaus Anbieter, die Internetverbindungen wie Gespräche mit einem Minutenpreis belegen. Beispielsweise bietet O2 bietet seit diesem Jahr einen aus Kundensicht überschaubaren Tarif – 3 Cent pro Minute aus der Homezone, 9 Cent deutschlandweit. Das übersteigt nur eben immer noch weit die Kosten fürs „normale“ Internet. Flatrates gibt’s zwar auch bei einigen Anbietern, nur lohnen sich auch diese eher für den Heavy User. Dabei wären genau günstige Pauschaltarife der beste Schritt um Deutschland und seine Einwohner zum mobilen Surfen zu bewegen.

Bis alle deutschen Mobilfunkanbieter die Skepsis ihrer Kunden aus der Welt geschafft haben, indem sie echte Transparenz schaffen (und nicht schwindende Einnahmen über diesen Weg hereinboxen), wird das Jahr 2008 sicherlich vorüber gezogen sein. Aber spätestens 2009 wird die Wand nicht halb so schwarz sein, wie Herr Buckley sie für das kommende Jahr gestrichen hat. Es sieht auch so aus, als könnte er sich nicht zwischen hellgrau und schwarz entscheiden: Vor anderthalb Monaten klangen seine Worte einen Hauch optimistischer: In Deutschland stehen wir da zwar noch eher am Anfang der Entwicklung, aber sinkende Datentarife sowie neue Endgeräte und Anwendungen, werden uns auch hier bald einen Boom beim mobilen Internet bescheren!“

PS. Für alle Deutschland-Pessimisten: Auf der Top Ten Liste der AdMob Inc. sind außer den englischsprachigen auch übrigens keine anderen Industrienationen vertreten.

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