Einfachheit ist Trumpf
Nutzer lieben simple Handyspiele
Zuerst einmal: Der Handyspiele-Markt boomt. In Deutschland fechten zwar die Spielemacher noch ein Duell mit den Netzbetreibern aus, damit diese mehr ins Endkunden-Marketing investieren und somit nicht den Markt bremsen – aber die Handybesitzer entdecken immer mehr den Spaß am Daddeln zwischendurch. Das Handy macht vor allem tragbaren Konsolen Konkurrenz, es „hat sich als gleichwertige Plattform etabliert“, berichtete kürzlich Thomas Richter, Jamba-Direktor für Content Sourcing.
Kaum vorstellbar – hält sich doch die Bequemlichkeit bei der Handhabung in Grenzen. Miniaturtasten, das Display zwar bunt, doch viel zu klein für Details. Anscheinend nehmen die Handybesitzer diese Unannehmlichkeiten aber gerne in Kauf. Natürlich, man hat sein Handy ja prinzipiell immer parat. Ein Griff in die Tasche und die Fast-Konsole ist einsatzbereit.
Die Zahlen bestätigen die wachsende Zuneigung für Handyspiele – das Marktforschungsinstitut Gartner prognostiziert einen weltweiten Anstieg der Einnahmen aus Mobile Gaming um 50 Prozent auf 4,3 Mrd. Dollar (~3,1 Mrd. Euro) – noch für dieses Jahr. Die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers schätzt laut einer aktuellen Studie, dass sich der Umsatz europaweit in den nächsten vier Jahren auf 3,1 Mrd. Dollar (~2,4 Mrd. Euro) mehr als verdoppeln wird.
Die Mobiltechnologie entwickelt sich rasant. Prozessoren werden immer leistungsfähiger, Spiele werden dadurch qualitativ hochwertiger, Grafiken und Spielmechanismen komplexer. Dieser Fortschritt erscheint beinahe unnötig, schaut man sich die beliebtesten Handyspiele an: Es sind Klassiker wie Tetris, Pacman, einfache Puzzlespiele, Casino-Spiele. Was zeichnet diese Spiele aus, die an sich ja keinen Neuigkeitswert besitzen? „Bei Handyspielen ist Einfachheit oft Trumpf“, weiß Frédéric Cremer von Gamesmill.
Einfachheit – wozu dann noch leistungsfähigere Handys?
Handyspiele sind im Gegensatz zu Konsolenspielen nicht für mehrere Stunden ausgelegt, sondern für „zwischendurch“. Branchenexperten sind sich deshalb einig: Wichtig bei Handyspielen ist eine leichte Zugänglichkeit, intuitive Bedienbarkeit und, laut Paul Maglione, Senior Vice President für Vertrieb und Marketing von I-Play „innerhalb der ersten 30 Spielsekunden ein Erfolgserlebnis“. Er sieht jedoch den technologischen Fortschritt bei den Mobiltelefonen nicht als Gegensatz zu den Kundenwünschen: „Eine bessere Bildschirmauflösung, besserer Sound, größerer Speicher können auch die einfacheren Spiele vergnüglicher machen, während das Gameplay selbst relativ simpel bleibt.“
Simple Spiele mit schöner Grafik – das klingt nach Kundenwunsch, nach einem Wegweiser für Entwickler. Ein realistisches 3D-Szenario gleich dem einer Konsole, auf einem Display zwei mal drei Zentimeter, ist wohl eher wenig zukunftsträchtig. Bei allem Weiterentwicklungsdrang sollte auch der effektive Nutzen für den Kunden nicht vergessen werden. So rasant sich die Technologien weiter entwickeln, so schnell wechseln nur die wenigsten ihr Handy. Wenn ein Spiel mehr Akku verschlingt als fünf Stunden telefonieren, ist wohl etwas schief gelaufen.
Handyspiele müssen kurzweilig sein, sie müssen in fünf Minuten Bushaltestelle, in 10 Minuten S-Bahn, in 20 Minuten IC passen. Und sie müssen vor allem Spaß machen. Sie sollen nicht schon morgens Auslöser für Frustrationen und Aggressionen sein, wenn der Sitznachbar aus Versehen mit seiner Tasche das Display und damit den entscheidenden Millimeter verdeckt.













