Durchbruch des mobilen Internets

Surfen mit dem Handy – mit WAP starteten die deutschen Mobilfunkbetreiber 1997 den ersten Versuch, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Allerdings erklärte man ihn schon im Jahr 2000 als gescheitert. Die Nutzer wussten nichts damit anzufangen und denen, die es wussten, war es schlicht zu teuer.

Daraufhin schoben die Netzbetreiber den WAP-Diensten die Schuld in die Schuhe – die Bandbreite sei zu gering und damit die Übertragungsgeschwindigkeit viel zu langsam. Die WAP-Dienste wiederum schoben den Netzbetreibern den schwarzen Peter zu und beschwerten sich darüber, dass die Nutzer auf die Portalangebote des Anbieters festgelegt würden.

Ende des Jahres 2000 drückte es Joao da Silva, Vorstand der EU-Kommission für Mobilkommunikation, so aus: „WAP ist eine gute Technologie, auf die keiner gewartet hat.“ Er warf den WAP-Entwicklern vor, die Bedürfnisse der Kunden kaum berücksichtigt zu haben, wertete WAP aber nicht als kompletten Misserfolg, sondern als den ersten, schwierigen Schritt auf dem Weg zu wirklich sinnvollen Mobildiensten. Aber auch der nächste Versuch, i-mode aus Japan zu importieren, scheiterte an mangelnder Nachfrage.

Umso beeindruckender erscheinen die Prognosen, die der eco-Verband in seiner Trendstudie „Mobile Outlook“ kürzlich veröffentlichte. 13 Prozent der 72 befragten Branchenexperten setzten die Aussage, dass “die meisten Verbraucher 2007/2008 mobil im Internet surfen werden” auf Platz Eins. Dafür sprechen auch die Schätzungen aus einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Dialog Consult GmbH und des VATM e.V., die ein Umsatzwachstum des mobilen Datentranfers von 3,3 Prozent 2005 auf 6,1 Prozent im Jahr 2006 prognostizierten.

Optimismus auf der ganzen Linie. “Nach zehn mageren Jahren geht es jetzt endlich los mit den mobilen Services” freut Dr. Bettina Horster, Vorstand der VIVAI AG und Leiterin des AK-M-Commerce bei eco. Nicht alle teilen diese positive Einstellung – Fachautor Markus Hövener warnt vor voreiligen Freudenausbrüchen und verweist auf die nicht erfüllten Erwartungen an das WAP Ende der 90er Jahre. Unternehmensberater Bernhard Steimel sieht die Lage ähnlich: „Bis wirklich mehr als die Hälfte der 80 Millionen Handynutzer in Deutschland mobil surfen, werden sicher noch ein paar Jahre vergehen.“ Allerdings stellt auch er eine stark ansteigende Akzeptanz bei den Nutzern fest – dank immer besser geeigneter Handys und neuen Internetflatrates: „Die Zeiten, als WAP für Wait and Pay stand, sind vorbei.“

Mit dem langsamen Durchbruch des mobilen Internets eröffnen sich auch neue Flächen für Werbebotschaften. In Deutschland erreichten die Erlöse aus mobiler Online-Werbung im Jahr 2006 schon knapp 530 Millionen US-Dollar. PricewaterhouseCoopers (PwC) diagnostiziert der Branche für das Jahr 2007 ein Wachstum von 17 Prozent. Dieses enorme Wachstum verspricht dem mobilen Internet eine blühende Zukunft. Die neuen Möglichkeiten, die sich Werbetreibenden bieten, zeigen auch weitere Ergebnisse der vorgestellten Studien: Seit 2006 gibt es in Deutschland mehr Handys als Einwohner. Auf einen stationären Computer kommen neun Mobiltelefone. Zwei Drittel der 14- bis 34-Jährigen achten beim Kauf eines neuen Handys auf dessen Online-Fähigkeit.

Damit hat für Suchmaschinen- und Portalbetreiber die nächste Runde im Wettbewerb um Online-Kunden und Werbeerlöse begonnen“, schätzt Werner Ballhaus von PwC, die, dieser Meinung ist auch Bernhard Steimel, hierbei eine Schlüsselposition einnehmen. Nur dieses Mal müssen sowohl Suchmaschinen als auch alle anderen Websites an das „mobile Medium“ Handy angepasst werden – was wohl damals in den Anfangsjahren des WAP vergessen wurde.

Die Befürchtung, dieser Fehler würde sich wiederholen, wird sich aber wohl eher nicht bewahrheiten. Jede Gruppe hat mit Sicherheit aus den letzten zehn Jahren gelernt und im Gegensatz zu den enttäuschten WAP-Nutzern von 1999 sind diejenigen, die bereits das heutige Mobile Web nutzen, sehr zufrieden. Mathias Kretschmann, Leiter Data Access und Messaging T-Mobile Deutschland bestätigt, dass Anwender, die das mobile Internet tatsächlich nutzen, sehr angetan seien.
Die Weichen für ein erfolgreiches Mobile Marketing sind somit gestellt und die Potenziale, die sich eröffnen, müssen nur mit beiden Händen angepackt werden.

Meiner Meinung nach müssen die Mobilfunkbetreiber, um wirklich alle Bevölkerungsteile für das Handyinternet zu gewinnen, die Preise noch weiter herunterschrauben, um damit die Hemmschwelle das ganze einfach mal auszuprobieren zu senken. Unternehmen sollten ihre Angebote weiter ausbauen und gezielter in anderen Medien für ihre Präsenz im mobilen Internet werben. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind – günstige Preise, schnelle Verbindungen, ein breites Angebot – glaube ich an eine Erfolgsgeschichte des Mobile Webs, die der des World Wide Webs sehr ähneln wird.

Share and Enjoy:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Mixx
  • Google
  • Blogosphere News
  • Live
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • Reddit
  • Technorati
  • Yigg
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • LinkArena

Einen Kommentar schreiben